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Im Inteview mit Trends der Kunststoffverarbeitung (TdK): Kevin Schmidt, Verfahrensmechaniker für Kunststoff und Kautschuk bei der Schicktanz GmbH in Sohland an der Spree, was ihn schon in der zweiten Generation zum Kunststoff zog. Jörg Schicktanz, Inhaber-Geschäftsführer des Unternehmens und Gründungsmitglied der Polysax Bildungszentrum GmbH, Bautzen, erläutert, warum die jungen Nachwuchskräfte essentiell für den Erfolg eines Unternehmens sind.

TdK: Herr Kevin Schmidt, Sie sind Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik. Wie sind Sie zu diesem Arbeitsfeld gekommen?

Kevin Schmidt: Ich bin 24 Jahre alt und komme aus der Nähe von Löbau, in der Oberlausitz. In das Arbeitsfeld Kunststoffverarbeitung bin ich durch meinen Vater gekommen. Der arbeitet auch in der Kunststoffbranche. Als Schüler habe ich bei der Schicktanz GmbH in Sohland/Spree ein zweiwöchiges Praktikum absolviert. Die Arbeit dort hat mir gefallen. Das war mein Einstieg.

TdK: Was hat Sie an der Arbeit mit Kunststoffen gereizt?

Kevin Schmidt: Die Vielfältigkeit, was man aus Kunststoffen alles machen kann. Die technischen Aspekte der Fertigung, die Maschinen und das Programmieren. Das alles hat mich sehr interessiert.

TdK: Wie ist die Ausbildung zum Verfahrensmechaniker aufgebaut?

Kevin Schmidt: Die Ausbildung dauert drei Jahre. Ausgebildet wird im Betrieb, bei Polysax und in der Berufsschule. Es gibt einen praktischen Teil. Im ersten Lehrjahr ist das die Metallverarbeitung. Im zweiten und dritten Jahr kommt man dann zu den Kunststoffen. Daneben gibt es noch die Theorie.

Bei Polysax in Bautzen ist man regelmäßig zur Ausbildung. Mal für eine Woche, aber manchmal auch für einen ganzen Monat. Wir arbeiten dort an verschiedenen Maschinen und lernen so die unterschiedlichen Steuerungen kennen. Bei Schicktanz gibt es vornehmlich Spritzguss. Im Technikum von Polysax haben wir aber auch das Tiefziehen, die Extrusion und das Duroplast Pressen kennengelernt.

TdK: Was sind Ihre Kernaufgaben?

Kevin Schmidt: Das ist zuerst die Leitung einer Schicht. Ich bin verantwortlich für die Qualität der zu fertigenden Teile, für den Ablauf der Fertigung und diese zu optimieren. Zusätzlich muss ich Werkzeuge und Maschinen umbauen, Maschinen anfahren, Farbwechsel vornehmen, Material vorbereiten, aber auch das Personal für die Schicht einteilen. Es gibt sehr viele unterschiedliche Dinge, die zu machen sind.

TdK: Welche Eigenschaften benötigt man für Ihre Arbeit?

Kevin Schmidt: Da sind zuerst handwerkliches Geschick, Genauigkeit und die Fähigkeit, sich konzentrieren zu können. Man muss Interesse an der Arbeit mit Kunststoffen zeigen und den Willen haben, immer dazulernen zu wollen.

TdK: Was reizt Sie an Ihrem Arbeitsgebiet?

Kevin Schmidt: Die Tatsache, dass man aus kleinen Kunststoffgranulaten sehr viele verschiedene Teile fertigen kann. Kurz die Vielfältigkeit der Arbeit und die Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten. Es gibt immer etwas anderes zu tun. Kein Teil ist gleich. Jedes hat individuelle Gestaltungsmöglichkeiten, andere Parameter.

TdK: Herr Schicktanz, was motiviert Sie als Unternehmer, Ausbildungsplätze bereit zu stellen?

Jörg Schicktanz: Die Schicktanz GmbH wird im nächsten Jahr 125 Jahre alt. Wir haben an unserem Standort in der Oberlausitz eine Tradition aufrechtzuerhalten und eine Verpflichtung gegenüber unseren Bürgern. In der gesamten Firmengeschichte hat unser Unternehmen über 250 Lehrlinge ausgebildet. Um über ein frisches Know-how zu verfügen, ist es wichtig, kontinuierlich Lehrlinge zu akquirieren. So kommt immer wieder frisches Blut in unser Unternehmen.

Diese Auffrischung ist durch Quereinsteiger und die Qualifizierung von Älteren nicht zu erreichen. Die Jugend geht mit den neuen Technologien ganz anders um, als die ältere Generation. Um mit den neuen Fertigungstechniken sicher umgehen zu können, sind Grundkenntnisse im IT-Bereich eine Voraussetzung. Keine der Maschinen der Schicktanz GmbH ist ohne eine Programmierung zu betreiben. Die Jugend geht viel selbstverständlicher mit diesen Techniken um.

TdK: Können Sie ein paar Worte zu der Polysax Bildungszentrum Kunststoffe GmbH sagen, deren Gründungsmitglied Sie waren?

Jörg Schicktanz: Auf Initiative der kunststoffverarbeitenden Industrie wurde vor zwölf Jahren in Bautzen die Polysax Bildungszentrum GmbH gegründet. Sie hat zwei Gesellschafter, den Landkreis Bautzen mit einer Beteiligung von 55 Prozent und den Polysax e.V. mit 45 Prozent. Im letzteren sind 54 sächsische kunststoffverarbeitende Unternehmen und Personen Mitglied.

Wir sind bei Polysax in der Lage, die gesamte Bandbreite der Ausbildung an einem Standort durchzuführen, mit allen gängigen Kunststofftechnologien, die in der Branche notwendig sind. Das sind der Spritzguss, die Extrusion, die Tiefzieh- und Laminierverfahren, das Thermoformen und das Pressen.

Unser Technikum verfügt zusätzlich über alle Lehrmittel für die Metallausbildung. Diese zu erlernen, ist im ersten Halbjahr der Ausbildung absolut notwendig. Sie ist Bestandteil der Prüfung im ersten Lehrjahr.

Gleichzeitig haben wir am Standort alle Voraussetzungen, um Schulungen, Qualifizierungen und Weiterbildungen für Unternehmen der kunststoffverarbeitenden Industrie durchzuführen. Zusätzlich arbeitet Polysax auch mit Forschungseinrichtungen und Universitäten zusammen.

Wir unterstützen gezielt Forschungsprojekte. Dadurch können wir neuste Erkenntnisse der Forschung für die Kunststoffbranche erschließen und nutzbar machen. Die Lehrlinge bei Polysax lernen so den aktuellsten Stand der Technologien im Bereich Kunststoffe kennen.

TdK: Wie fördern Sie als Unternehmer die Weiterbildung Ihrer Mitarbeiter?

Jörg Schicktanz: Für sechs Jahre habe ich ehrenamtlich das Polysax Bildungszentrum geleitet – neben meiner täglichen Arbeit als Geschäftsführer der Schicktanz GmbH. In dieser Zeit habe ich die Bildungsinhalte mitgestaltet. Dem fühle ich mich nach wie vor verpflichtet. Alle meine Mitarbeiter werden deshalb bei Polysax ausgebildet und auch weitergebildet.

TdK: Was erwarten Sie im Gegenzug von Ihren Mitarbeitern?

Jörg Schicktanz: Von den alteingesessenen Mitarbeitern erwarte ich, dass sie die Jugendlichen akzeptieren und sich von ihnen auch das eine oder andere abschauen und übernehmen. Das gilt besonders für die IT-Kenntnisse der Jugend. Durch Weiterbildung sollen meine Mitarbeiter die neuesten Kenntnisse der kunststoffverarbeitenden Industrie kennenlernen.

Im Gegenzug erwarte ich, dass sie ihr neu erworbenes Wissen aktiv in die tägliche Arbeit einbringen. So werden sie für das Unternehmen nutzbar. Eine ständige Weiterbildung ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Schon alleine die ständige Weiterentwicklung der Fertigungsmaschinen macht sie erforderlich.

TdK: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg – sowohl, Herr Schmidt, bei Ihrem weiteren Berufsweg, als auch Ihnen, Herr Schicktanz, bei der Ausbildung und Förderung junger Kunststofftechniker.

 

 

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